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„Wenn die Säure brennt – Volkskrankheit Sodbrennen“

Zirka 40 % aller Menschen in den Industrie- beziehungsweise Wohlstandsländern leiden mehr oder weniger oft unter Beschwerden, welche durch Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre verursacht werden.

In einer großen Studie beklagten:

  • Sodbrennen: 73 %
  • Luftaufstoßen: 62 %
  • Schluckbeschwerden: 49 %  
  • Aufstoßen von Nahrungsresten: 38 %
  • übler oder saurer Geschmack im Mund: 33 %
  • krampfartige Schmerzen im Oberbauch oder hinter dem Brustbein: 31 %
  • Übelkeit und Erbrechen: 24 %


Auch nächtliche Hustenattacken oder Anfälle von Luftnot können durch Magensaftrückfluss in die Speiseröhre und Übertritt in die Luftröhre verursacht sein. Etwa 40 % der Erwachsenen nehmen mehr oder weniger häufig Medikamente ein, welche Magensäure neutralisieren und in jeder Apotheke frei käuflich sind. Etwa 15 % der Menschen erhalten von ihrem Hausarzt zeitweilig oder dauernd Medikamente, welche die Bildung von Magensäure unterdrücken.

Rückfluss von Magensaft in die Speiseröhre

 

Weshalb kommt es zum Rückfluss von Magensaft in die Speiseröhre?


Am Mageneingang, d.h. im Übergangsbereich von Speiseröhre zum Magen, besteht ein kompliziertes, störanfälliges Ventilsystem. Dieses sorgt dafür, dass Nahrung ungehindert in den Magen gelangen kann, dass im Regelfall kein oder nur wenig Mageninhalt aus dem Magen zurück in die Speiseröhre fließt, dass aber bei Überdehnung oder Erkrankung des Magens Luft aufgestoßen oder Mageninhalt erbrochen werden kann.

Wenn dieser Ventilmechanismus gestört ist, kommt es zu mehr oder weniger häufigem Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre, wodurch nicht nur lästige Beschwerden verursacht werden, sondern auch eine ernst zu nehmende Entzündung der Speiseröhre entstehen kann. Es kann zu Blutungen, narbigen Verengungen mit der Folge von Schluckstörungen oder im schlimmsten Fall zu Vorstufen eines Speiseröhrenkrebses kommen.

Ursache Zwerchfellbruch


Die häufigste Ursache für einen krankhaften Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre – die sogenannte Refluxkrankheit – ist ein Zwerchfellbruch. Beim Zwerchfellbruch – auch Hiatushernie genannt – handelt es sich um die Erweiterung einer Lücke im Zwerchfell, durch welche die Speiseröhre vom Brustkorbraum in den Bauchraum übertritt, und in der Nachfolge um die Verlagerung entweder des Mageneingangs oder anderer Magenteile in den Brustkorbraum (vgl. Abbildungen).

In großen Untersuchungsreihen wurde festgestellt, dass bei etwa 80 % der Patienten mit einer Refluxkrankheit gleichzeitig eine Hiatushernie besteht. Nicht jeder, der gelegentlich etwas Sodbrennen hat, muss deshalb gleich ärztlich untersucht und behandelt werden. Eine Selbstbehandlung mit säurebindenden Medikamenten, welche frei verkäuflich sind, ist in der Regel ausreichend.

Bei häufigem Sodbrennen zum Arzt


Wer allerdings über längere Zeit häufiger als 1- bis 2-mal in der Woche unter Sodbrennen leidet oder andere Refluxsymptome wie Aufstoßen, Rückfluss von Speisen oder Schmerzen feststellt, sollte sich ärztlich untersuchen lassen. Die wichtigste Untersuchung ist die Endoskopie, d.h. die Spiegelung der Speiseröhre und des Magens. In der Regel kann dabei eine eindeutige Diagnose gestellt und eine wirksame Behandlung eingeleitet werden. Nur in seltenen Fällen werden zusätzliche Untersuchungen, z.B. eine Röntgen-Kontrastdarstellung der Speiseröhre und des Magens, eine Säuremessung in der Speiseröhre (PHMetrie) oder eine Untersuchung des Druckverhaltens in Magen und Speiseröhre (Manometrie) erforderlich.

Zur wirksamen Behandlung der Refluxkrankheit sind folgende Maßnahmen erforderlich:

 

1. Eine lebenslang angepasste Lebensweise des Patienten

  • Gewichtsreduktion bei Übergewicht
  • keine späten Mahlzeiten einnehmen
  • Schlafen mit erhöhtem Kopfende des Bettes
  • wenig Alkohol trinken
  • nicht rauchen
  • Kaffee meiden
  • Schokolade meiden
  • fettreiche Mahlzeiten vermeiden

 

2. Bei leichterer Erkrankung bedarfsweise Einnahme von Medikamenten, welche die Magensäurebildung unterbinden

 

3. Bei endoskopisch festgestellter Entzündung der Speiseröhre sollte unbedingt eine Behandlung mit Medikamenten erfolgen, welche die Bildung von Magensäure unterdrücken. Diese Behandlung muss konsequent und ausreichend lang durchgeführt werden. Der Heilerfolg sollte unbedingt endoskopisch kontrolliert werden. Wenn es nach Beendigung der Behandlung erneut zu Beschwerden oder Entzündung der Speiseröhre kommt, so ist eine Langzeittherapie, ggf. eine lebenslange Medikamenten-Einnahme oft nicht zu umgehen.

 

Wann wird operiert?


Wenn die dauerhafte Medikamenteneinnahme nicht zur Abheilung der Speiseröhrenentzündung führt oder wenn die Medikamente Nebenwirkungen entfalten oder wenn besonders bei jüngeren Patienten eine lebenslange Medikamentenbehandlung nicht akzeptiert wird oder wenn magensäureunabhängige Krankheitssymptome wie Aufstoßen von Luft und Nahrungsresten im Vordergrund des Beschwerdebildes stehen, dann sollte geprüft werden, ob durch eine Operation das Problem gelöst werden kann. Diese Operation kann heute in Form einer Bauchspiegelung durchgeführt werden, ist dadurch für die Patienten wenig belastend und führt in aller Regel zu dauerhafter Beschwerdefreiheit oder zumindest zu einer wesentlichen Linderung der Beschwerden.

Die Operation umfasst:


1. Die Beseitigung des Zwerchfellbruchs, das bedeutet, der Magen wird in den Bauchraum zurückverlagert und die Lücke im Zwerchfell wird durch Nähte, ggf. durch Einsetzen eines Kunststoffnetzes verkleinert.

2. Die Bildung eines Ventilmechanismus, wodurch der Rückfluss von Magensaft verhindert wird.

Die Operation erfolgt während eines fünftägigen stationären Aufenthalts in der Klinik.

Tag 1:  Aufnahme, Vorgespräch, Magenspiegelung (falls im letzten halben Jahr keine erfolgte), EKG, Blutuntersuchungen, evtl. Röntgen der Lunge
Tag 2:  Operation, nachmittags Tee
Tag 3:  Röntgen Kontrolle, Kostaufbau
Tag 4:  weiterer Kostaufbau
Tag 5:  Entlassung

Nach der Operation


Seit 1992 wurden von PD Dr. Ablaßmaier ca. 800 Patienten nach den oben beschriebenen Prinzipien operiert. Im Rahmen einer Doktorarbeit wurden 51 im Jahr 2002 operierte Patienten sorgfältig nachkontrolliert. In dieser Arbeit bewerten 91 % der Patienten das operative Ergebnis als sehr gut/gut, und 94 % der Patienten würden sich diesem Eingriff zur Verbesserung ihrer Lebensqualität erneut unterziehen. Über 90 % der Patienten sehen sich in ihrer Lebensqualität nicht mehr eingeschränkt, ebenso viele können aufgrund der Operation auf die Einnahme von Säureblockern ganz oder größtenteils verzichten.


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